Im vergangenen Jahr war ein Pleuel gebrochen. Jetzt wird die Sägemühle sozusagen generalüberholt und instand gesetzt.

 

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In der Sägemühle auf Gut Roß in Velen brennt wieder Licht. Seit einigen Wochen kommt das neu formierte Team um Felix Brumann regelmäßig zusammen und repariert die historische Säge, die im vergangenen Jahr kaputt gegangen war. In dieser Saison ist kein Stamm gesägt und kein Tourist in der Mühle empfangen worden. Das soll sich zur nächsten Saison ändern. Montags ist beim Mühlen-Team des Heimatvereins Sägetag. In dieser Woche treffen sich acht Männer in der alten Scheune. Wo es in anderen Jahren nach frisch bearbeitetem Holz roch, liegt in diesen Tagen der Geruch von Ölen in der Luft. Damit haben die Männer vom Heimatverein die Maschine an vielen Stellen vom Jahrzehnte alten Schmutz befreit.

Die Säge sieht jetzt zwar um Jahre jünger aus. Die Maschine ist aber noch nicht wieder betriebsbereit. Im vergangenen Jahr war ein Pleuel gebrochen, die Verbindung zwischen Antrieb und Sägerahmen. Die Säge stand still. Heimatverein und Stadtverwaltung, der die Sägemühle seit dem vergangenen Jahr gehört, erarbeiteten daraufhin ein Konzept, wie die Säge wieder hergerichtet und für Touristen und Sägemühlen-Team sicherer und attraktiver gemacht werden könnte.

Es sollte also nicht nur das defekte Pleuel repariert werden. Die Säge wird stattdessen seit einigen Monaten beinahe auf den Kopf gestellt. „Während der Montage-Arbeiten sind uns einige andere Dinge aufgefallen, die repariert werden mussten und müssen“, berichtet Brumann, der auch stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins ist. Zum einen ist das gesamte Vorschubgetriebe zerlegt und überholt worden, das dafür sorgt, das der zu sägende Stamm vor und zurück geschoben werden kann. „Da waren einige Teile defekt. Wir haben zudem eine neue Welle eingebaut“, so Brumann. Aktuell ist die Mannschaft damit beschäftigt, das Hauptgetriebe instand zu setzen. Udo Hirschmann und sein Sohn Armin sind in dieser Woche dabei, den Antrieb zu kontrollieren. „Wir haben dort achsiales Spiel festgestellt“, sagt der Maschinenbau-Techniker Udo Hirschmann. Zwei Bolzen in einem Lager waren abgebrochen, beziehungsweise nicht mehr fest montiert. Dieser Schaden ist behoben. In den nächsten Wochen soll auch der Sägerahmen wieder eingebaut werden.

Der alte war bereits mehrfach geschweißt worden. Darum hat das Team sich entschieden, einen neuen anfertigen zu lassen. Viele Handwerker, die der Heimatverein mit einer Erneuerung beauftragen wollte, sind abgesprungen. „Einige, weil es sich um eine Mischung aus Holz und Metall handelt, andere, weil es keine Pläne mehr gibt“, erinnert sich Brumann. Gefunden hat er dann einen Handwerker aus Barlo, der sich der Aufgabe angenommen hat.

Viele andere Aufgaben übernimmt das neu zusammengewürfelte Team allerdings selbst. „Bislang waren wir Zimmerer und Tischler. Wir haben Besuchern erklärt, wie die Maschine arbeitet. An der Technik haben wir nichts gemacht. Wir wussten, dass da einige Verschleißteile dran waren, die wir aber als Zimmerer nicht angepackt haben“, erklärte Johannes ven der Buss. „Jetzt hat Felix es geschafft, das Team zum Beispiel um Schlosser zu erweitern“, lobt ven der Buss.

Es sei schon gut, dass die Gruppe jetzt als Team so gewachsen und zusammengewachsen sei. „Wir unterstützen uns gut. Der Blick aus anderen Fachrichtungen hilft uns und auch die jahrelange Erfahrung, die die meisten haben“, ergänzt Brumann und stellt fest: „Wir machen hier keine Bastelei, sondern arbeiten mit ehrenamtlichen Fachkräften.“ Insgesamt ist die Mannschaft jetzt 16 Mann stark. „Sie darf aber gerne auch wachsen“, so der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Obwohl im Oktober oder November ein erster Probelauf angedacht ist, rechnet Brumann damit, dass noch den ganzen Winter über an der Säge gearbeitet werden müsse. „Im nächsten April wollen wir aber starten“, erklärt Brumann.

Auch wenn Brumann zufrieden mit dem Fortschritt an der Mühle ist, wünscht er sich für die Zukunft durchaus noch weitere Verbesserungen: „Uns fehlen hier weiterhin Toiletten. Es fehlen Räume, in denen man auch mal etwas vorbereiten kann, die vielleicht beheizt werden können. Es gibt hier keine Werkstatt. Mein Wunsch wäre es auch, dass es Räume gibt, in der man vernünftig Museumspädagogik machen kann. Zu einem Museum gehört so etwas nun mal dazu.“ So könne man vielleicht auch mal Schulklassen einladen. Es gebe ja Möglichkeiten ohne Ende. „Das Thema Nachhaltigkeit ist ein großes. Man kann hier was zum Thema Wasser, zum Holz zur Mechanik machen. Ich sehe da viel Potenzial“, gibt Brumann ein wenig von dem preis, was ihm für die Mühle noch vorschwebt. 

Bericht und Fotos Borkener Zeitung (Lars Johann-Krone)