Viele Erinnerungen an Schwester Clematia  bei einer Veranstaltung im Heimathaus

"Sie hatte keine Angst vor offenen, stinkenden Krebswunden." - "Sie kam bei jedem Wetter mit ihrem klapprigen Fahrrad." - "Bei Bombenalarm strahlte sie im Luftschutzkeller eine große Ruhe aus, die allen gut tat." - Diese und viele Erinnerungen wurden bei der Veranstaltung zum 50. Todestag von Schwester Clematia lebendig. Eingeladen hatten der Heimatverein und die Pfarrgemeinde. Über 40 Personen waren der Einladung gefolgt.

Zunächst stellte Winfried Kremer-Brockjann die Situation in Velen dar, als Schwester Clematia 1920 nach Velen kam. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg herrschte zunächst noch große Not. Zwar gab es ein geringes Arbeitslosengeld und etwas Unterstützung durch Staat und Kirche, aber es reichte für viele nur so gerade zum Überleben. Geld für eine Krankenversicherung konnten sich viele nicht leisten. Eine Krankheit konnte so schnell zu einer existentiellen Bedrohung werden, und der Arztbesuch war kaum zu finanzieren. Die häuslichen Gegebenheiten waren sehr beengt, die hygienischen Verhältnisse bedenklich. Bäder waren noch nicht vorhanden, es gab ein "Plumpsklo" im Hinterhof und eine (transportable) Wanne, die zuweilen in die Küche gestellt wurde. Die Wohnungen wurden oft nur über den Küchenherd beheizt; vor allem die Schlafräume waren feucht. Ansteckende Krankheiten konnten sich schnell verbreiten.

Die Gäste der Veranstaltung konnten diese Ausführungen durch viele eigene Erinnerungen ergänzen. 

In dieser Situation war Schwester Clematia eine große Hilfe. Sie fuhr zu allen Familien, wo es Not gab, - unentgeltlich. Sie sorgte sich um Kranke (und stellte manchmal auch eine Diagnose), sie pflegte Wunden (auch ekelerregende), sie begleitete Sterbende und ihre Familien. Auch die Verstorbenen versorgte sie und richtete sie her. Viele der Teilnehmer und Teilnehmerinnen hatten auch persönliche Erinnerungen an Schwester Clematia. Sie wurde beschrieben als eine in sich ruhende Person mit unermüdlicher Energie. Eine Teilnehmerin fragte: "Wo hatte sie nur diese Kraft her?" 

Die bei der Veranstaltung und im Vorfeld gesammelten Geschichten und Informationen über Schwester Clematia sollen nun in schriftlicher Form niedergelegt werden. So kann die Erinnerung an Schwester Clematia auch dann lebendig bleiben, wenn in einigen Jahren die letzten "Zeitzeugen" verstorben sind.