Messing: „Velen liegt mir am Herzen“

Vor rund drei Wochen übernahm Franz-Josef Messing den Vorsitz des Velener Heimatvereins. Lange überlegen musste er nicht, als er gefragt wurde, Nachfolger Karl-Heinz Honerboms zu werden.
 
Interview mit dem neuen Vorsitzenden des Heimatvereins
 

Eine Ära ist vor etwa drei Wochen beim Heimatverein zu Ende gegangen. Karl-Heinz Honerbom hat den Vorsitz nach vielen Jahren abgegeben. Franz-Josef Messing (60) hat das Amt übernommen. Mit ihm sprach BZ-Redakteur Lars Johann-Krone über die Größe der Fußstapfen, in die er nun tritt und die Ausrichtung des Vereins.

 

„Heimat“ und „Verein“. Was verbinden Sie mit diesen Begriffen?

Messing: Das ist ja einmal ein Ort und einmal ein Gefühl. Es ist ein Treffpunkt und ein Verein, in dem man in die Vergangenheit blickt und das schön findet und pflegt. Aber man darf nicht den Blick in die Zukunft vergessen.

Schon ein paar Monate vor der Generalversammlung zeichnete sich ab, dass Karl-Heinz Honerbom nicht weitermachen würde. Die Suche nach einem Nachfolger begann. Die Wahl fiel auf Sie. Mussten Sie lange überlegen, zuzusagen?

Messing: Nein. Ich musste nicht lange überlegen. Der Ort Velen, dessen Geschichte und auch die Einwohner liegen mir sehr am Herzen. Im Verein sind auch einige Freunde engagiert, sodass es mir leicht fiel, zuzusagen.

Wie groß sind die Fußstapfen, in die Sie nun treten?

Messing: Ich glaube, die sind ziemlich groß. Und zwar als Nachfolger von Alfons Wellermann und Karl-Heinz Honerbom. Die beiden haben die Sägemühle ins Leben gerufen und haben die Renovierung des Heimathauses auf den Weg gebracht. Das sind schon Dinge, die in der Gemeinde was zählen. Das stellt eine Herausforderung dar, der ich versuche, gerecht zu werden.

Sie sprachen von der Sägemühle. Die war oder ist eines der Steckenpferde Karl-Heinz Honerboms. Wo haben und werden Sie Ihr Herzblut investieren?

Messing: Ich versuche in erster Linie einen Spagat hinzubekommen. Einen Spagat zwischen der Pflege des Alten und der Umsetzung neuer Ideen, um auch mehr junge Menschen für den Verein zu gewinnen. Ich könnte mir vorstellen, eine Wandergruppe zu gründen, mit der wir etwa Teile des Jakobsweges in der Region erwandern. Ich könnte mir auch Familien-Nachmittage vorstellen.

Eines der Ziele, das Sie bereits am Abend Ihrer Wahl nannten, war eben jene Verjüngung des Vereins. Was verknüpfen Sie mit dieser Ausrichtung?

Messing: Ich glaube, dass der Verein sehr gut darin ist, Altes zu erhalten. Damit können wir zeigen, wie Dinge früher waren. Das ist gut. Aber die Gesellschaft verändert sich, und darum müssen auch wir etwas anders machen. Ich glaube, dass ein 60-Jähriger von heute vor drei Jahrzehnten ein 40-Jähriger war. Damit meine ich das Denken oder das Kleiden. Wir müssen andere Ideen haben, um Menschen für den Verein zu begeistern.

Andere Heimatvereine klagen, dass Ihnen die Mitglieder ausbleiben. Wie ist die Situation in Velen?

Messing: Ich glaube, unser Verein wird nicht kleiner. Aber ich möchte versuchen, durch Aktionen viele Menschen ins Heimathaus zu bekommen. Den möglichen Mitgliederschwund also umzukehren, das ist ein Traum, den ich habe.

Woran könnte es liegen, dass Heimatvereinen oft ein Image der Gestrigen anhaftet? Oder kennen Sie dieses Vorurteil so nicht?

Messing: Ich kenne das Vorurteil. Es ist ja vielleicht auch ein wenig berechtigt. Das soll nicht abwertend sein. Aber eine Sägemühle ist eine alte Maschine, ein altes Kunstwerk, um jungen Leute zu zeigen, wie es damals funktioniert hat. Aber ich glaube – und das spricht für das, was ich eben sagte – ein heute 60-Jähriger, der will noch etwas erleben, der will noch was machen. Und wenn wir den als Mitglied gewinnen wollen, dann müssen wir mehr bieten.

Meinen Sie damit, dass man mehr in die Zukunft oder die Gegenwart blicken sollte?

Messing: In die Gegenwart. Ich könnte mir vorstellen, zum Beispiel Unternehmen zu besuchen oder die moderne Landwirtschaft vorzustellen.

Sie haben nun schon einige Schwerpunkte genannt, die Sie angehen möchten. Haben wir noch einen vergessen?

Messing: Das Wichtigste ist, das Überaltern des Vereins zu verhindern. Es geht darum, jüngere Mitglieder zu bekommen. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, das Alte zu pflegen, zu schützen und auch positiv zu betrachten. Ich weiß natürlich, dass man durch die eine oder andere Idee die älteren Mitglieder verschnupfen könnte. Aber da bitte ich um Nachsicht. Man möchte ja beiden dienen. Das ist vielleicht ein Ritt auf der Rasierklinge (lacht).

Bericht und Foto Borkener Zeitung (Lars Johann-Krone)