Aus Gülle wertvolle Stoffe gewinnen

Infoabend des Heimatvereins zur Naturwertstoffanlage in Nordvelen

35 Bürger hatten sich am Mittwochabend (18.10.2017) im Heimathaus Velen eingefunden, um sich über wirtschaftliche Nutzung, Produktionsverfahren sowie über den Stand der im Bau befindlichen  Naturwertstoffanlage in Nordvelen zu informieren. Als Referentin hatte der erste Vorsitzende des Heimatvereins, Karl-Heinz Honerbom, die Geschäftsführerin und Projektleiterin der NDM (Naturwertstoffe GmbH), Doris Nienhaus, eingeladen.

Aus Gülle wertvolle Stoffe gewinnen

Bei ihrem Vortrag und der sich daraus ergebenden Diskussionen machte Nienhaus vor allem deutlich, dass es sich bei der Anlage nicht nur um eine innovative Aufbereitungsanlage, sondern auch um ein vom Bund unterstütztes Forschungsprojekt handelt. Voraussichtlich im Juli 2018 wird die Anlage in Betrieb gehen und rund 200.000 Tonnen Gülle in ihre Einzelbestandteile zerlegen. 

„Unsere wissenschaftlichen Tests haben gezeigt, dass es möglich ist, aus der Dickgülle nicht nur die wertvollsten Stoffe, Phosphat und Stickstoff, zu separieren, sondern – und das ist Vorgabe vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft – die Endprodukte auch weitestgehend zu hygienisieren.“ Beginnend mit der Trennung der Gülle in feste und flüssige Bestandteile bis hin zur Aufspaltung der festen Bestandteile in die chemischen Bausteine, arbeite die Anlage weitestgehend autark. Lärm und Geruch, die eine Beeinträchtigung der Bevölkerung nach sich ziehen würden, seien nicht zu befürchten.

„Es wird auch nicht so sein, dass jeder der 90 Kommanditisten, die ihre Gülle in der Anlage verarbeiten werden, die Stoffe mit dem Traktor und Güllefass dorthin transportiert“, sagte Nienhaus zur Transportlogistik. Das Konzept sehe vor, dass Tanklastzüge die Dickgülle von den Höfen abholen und zur Anlage fahren werden. Dort sollen in einer überdachten Halle die Tanks emissionsfrei leergepumpt und in die Auffangbehälter umgeladen werden. Von dort werde der Aufspaltprozess unmittelbar in weiteren Behältern folgen. Pro Jahr werden acht- bis zehntausend Lastwagen-Ladungen erwartet. Die etwa 40.000 Tonnen gewonnenen Stoffe werden ebenfalls mit Schwerlastfahrzeugen über die B525 abtransportiert. 

Für die Produktion an Sonn- und Feiertagen liege der Betreibergesellschaft keine Genehmigung vor. Die anfallende Energie, die im Zuge der Rohstoffbehandlung gewonnen wird, nutzen die Betreiber der Anlage einerseits für die benötigte Wärme während der Aufspaltungsprozesse. Andererseits wird die erzeugte elektrische Energie zurück in die Anlage und in die Produktionsprozesse fließen, erklärte Nienhaus weiter. Die ursprünglich veranschlagten 15 Millionen Euro für die Anlage dürften bis zur Fertigstellung wohl nicht ausreichen. Die Betreibergesellschaft geht von Gesamtinvestitionen in Höhe von 18 Millionen Euro aus. „Allein die erforderlichen Gutachten haben weit mehr gekostet als ursprünglich veranschlagt“, so Nienhaus abschließend.
 
20. Oktober 2017, Bericht Borkener Zeitung

von Michael Schmitt